
ECHA-Bericht 2026: REACH und CLP werden effizienter - Datenqualität bleibt zentrale Herausforderung
Mit dem aktuellen „Report on the Operation of REACH and CLP 2026" zieht die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Bilanz über die Umsetzung der REACH-Verordnung und CLP-Verordnung im Zeitraum 2021 bis 2025. Das Fazit: Das europäische Chemikalienrecht wird zunehmend digitaler, datengetriebener und effizienter. Dank moderner Bewertungsmethoden können potenziell gefährliche Stoffe schneller identifiziert und reguliert werden. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass die Qualität von Registrierungsdaten, aktuelle Sicherheitsdatenblätter (SDB) und ausreichende Behördenressourcen weiterhin entscheidend für die Wirksamkeit des europäischen Chemikalienmanagements sind.
REACH und CLP: Das europäische Chemikalienrecht wird effizienter
Fast 20 Jahre nach Inkrafttreten der REACH-Verordnung sieht die ECHA deutliche Fortschritte bei der Chemikaliensicherheit in Europa. Informationen zu chemischen Stoffen sind heute umfassender verfügbar, gefährliche Stoffe werden zunehmend durch sicherere Alternativen ersetzt und die Kommunikation entlang der Lieferkette hat sich verbessert.
Besonders hervor hebt die Behörde die Weiterentwicklung ihrer Screening- und Bewertungsverfahren. Mithilfe datenbasierter Analysen und eines gruppenorientierten Ansatzes können Stoffe mit regulatorischem Handlungsbedarf schneller identifiziert werden. Statt einzelne Stoffe isoliert zu betrachten, bewertet die ECHA zunehmend ganze Stoffgruppen. Dadurch sollen Verfahren unter REACH und CLP beschleunigt und behördliche Ressourcen effizienter eingesetzt werden.
REACH-Registrierungen bleiben auf hohem Niveau
Die Registrierung chemischer Stoffe bleibt auch nach Ablauf der großen Registrierungsfristen eine zentrale Säule der REACH-Verordnung. Zwischen 2021 und 2025 verzeichnete die ECHA insgesamt 18.911 Erstregistrierungen sowie mehr als 45.000 Aktualisierungen bestehender Registrierungsdossiers.
Mit durchschnittlich 361 neu registrierten Stoffen pro Jahr blieb die Zahl der Neuregistrierungen stabil. Fast die Hälfte dieser Registrierungen stammt von europäischen Herstellern. Gleichzeitig steigt der Anteil von Importeuren und sogenannten Only Representatives kontinuierlich an - ein deutlicher Hinweis auf die wachsende Bedeutung globaler Lieferketten für das europäische Chemikalienmanagement.
ECHA CHEM: Digitale Chemikaliendatenbank verbessert Transparenz
Ein wichtiger Meilenstein der Digitalisierung war die Einführung von ECHA CHEM im Jahr 2024. Die neue Plattform bündelt Informationen aus REACH, CLP und weiteren Chemikalienregelwerken und macht diese leichter zugänglich.
Die Datenbank ist Teil der langfristigen Digitalisierungsstrategie der ECHA. Ziel ist es, regulatorische Prozesse effizienter zu gestalten, Verwaltungsaufwand zu reduzieren und Unternehmen sowie Behörden einen besseren Zugang zu chemikalienrechtlichen Informationen zu ermöglichen.
Compliance Checks und Stoffbewertungen bleiben zentrale Instrumente
Die Überprüfung von Registrierungsdossiers bleibt ein Kernbestandteil des europäischen Chemikalienmanagements. Im Berichtszeitraum wurden 1.528 Compliance Checks und 161 Stoffbewertungen abgeschlossen. Insgesamt forderten die Behörden zusätzliche Informationen zu 6.745 Datenpunkten an.
Diese Verfahren dienen der Schließung von Datenlücken und bilden die Grundlage für spätere Risikomanagementmaßnahmen. Gleichzeitig weist die ECHA auf steigende Bearbeitungsaufwände hin. Ende 2025 befanden sich rund 1.000 Fälle noch in der Nachverfolgung durch die zuständigen Behörden.
SVHC-Kandidatenliste wächst weiter
Die Regulierung besonders besorgniserregender Stoffe (SVHC - Substances of Very High Concern) wurde konsequent fortgeführt. Zwischen 2021 und 2025 kamen 44 neue Stoffe auf die Kandidatenliste.
Zusätzlich empfahl die ECHA 19 Stoffe für die Aufnahme in Anhang XIV der REACH-Verordnung, die sogenannte Zulassungsliste. Ziel bleibt die schrittweise Substitution besonders problematischer Stoffe durch sicherere Alternativen.
Mehr Beschränkungen und harmonisierte CLP-Einstufungen
Auch die Risikomanagementmaßnahmen wurden weiter ausgebaut. Im Berichtszeitraum wurden 14 Beschränkungsdossiers eingereicht, für elf Verfahren liegen bereits wissenschaftliche Stellungnahmen der ECHA-Ausschüsse vor.
Im Bereich der CLP-Verordnung wurden 202 Stoffe neu harmonisiert eingestuft oder bestehende Einstufungen aktualisiert. Harmonisierte Einstufungen haben weitreichende Auswirkungen, da sie häufig automatische Schutzmaßnahmen in weiteren Rechtsbereichen auslösen.
REACH- und CLP-Compliance: Vollzug bleibt entscheidend
Die ECHA betont, dass die Wirksamkeit von REACH und CLP maßgeblich von der konsequenten Durchsetzung der Vorschriften abhängt. Im Rahmen europaweiter Vollzugsprojekte wurden mehr als 20.000 Inspektionen durchgeführt.
Besonders häufig beanstandeten die Behörden Mängel bei Sicherheitsdatenblättern, im Online-Handel mit Chemikalien sowie bei importierten Produkten. Eine Kontrollaktion aus dem Jahr 2024 zeigte zudem erhöhte Nichtkonformitätsraten bei Stoffen in Gemischen und machte bestehende Wissens- und Umsetzungsdefizite deutlich.
Wissenschaftliche Ausschüsse der ECHA vor steigenden Anforderungen
Mit der Erweiterung des europäischen Chemikalienrechts steigt auch die Belastung der wissenschaftlichen Ausschüsse RAC und SEAC. Die ECHA erwartet künftig jährlich mehr als 100 zusätzliche Stellungnahmen des Ausschusses für Risikobeurteilung (RAC) sowie rund 50 weitere Stellungnahmen des Ausschusses für sozioökonomische Analyse (SEAC).
Neben REACH und CLP sorgen insbesondere neue europäische Rechtsakte für zusätzliche Aufgaben. Die geplante Überarbeitung der ECHA-Grundverordnung soll langfristig die Leistungsfähigkeit der Ausschüsse sichern.
Fazit: Datenqualität entscheidet über den Erfolg von REACH und CLP
Der ECHA-Bericht 2026 zeigt, dass sich das europäische Chemikalienmanagement in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt hat. REACH und CLP arbeiten heute transparenter, strukturierter und effizienter als noch zu Beginn ihrer Einführung.
Gleichzeitig wird deutlich, dass die Qualität und Aktualität von Registrierungsdossiers, Sicherheitsdatenblättern und Stoffinformationen künftig noch stärker über die Wirksamkeit des gesamten Systems entscheiden werden. Unternehmen sind daher gefordert, ihre Daten kontinuierlich zu pflegen, regulatorische Änderungen zeitnah umzusetzen und bestehende Datenlücken zu schließen.
Die Weiterentwicklung von REACH und CLP ist damit keineswegs abgeschlossen. Vielmehr rücken Themen wie Datenqualität, Digitalisierung und behördliche Zusammenarbeit zunehmend in den Mittelpunkt des europäischen Chemikalienrechts.